Warum ich beim Angeln über Management nachdenke…. [Teil 1]

Irgendwann stand ich am Wasser, oder war ich auf einem Boot unterwegs? Ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls angelte ich. Irgendwie kam ich darauf, dass vieles was ich hier am Wasser so treibe, auch in meinem beruflichen Alltag passt. Erst erschrak ich bei diesem Gedanken etwas. Angeln sollte mir doch beim „abschalten“ und „entschleunigen“ helfen. Aber irgendwie erschien es mir eigentlich auch ganz logisch. Während der Begleitung meiner Projekte mache ich ja nichts anderes als erfolgreiches Verhalten meiner Kunden zu identifizieren, um es übertragbar zu machen, es zu „konservieren“ oder es neu auszurichten. Also gar nicht so schlecht, wenn man irgendwo im Leben schon erfolgreich ist und versucht, das Verhaltensmuster in anderen Lebenssituationen wieder umzusetzen.

Gewöhnlicher weise „spinne“ ich so einen Faden gleich einmal weiter, legte also die Angelrute kurz aus der Hand und hielt mir sechs dieser immer wieder kehrenden Beobachtungen in der Notizfunktion meines smartphone fest.

Welche Dinge sind das denn, die mir da in beiden Lebensbereichen begegnen:

Es geht oft um neue HERAUSFORDERUNGEN. Ich bringe meine PERSÖNLICHKEIT ein. Natürlich übernehme ich VERANTWORTUNG bei dem was ich tue. Ich treffe ENTSCHEIDUNGEN um ZIELE zu erreichen. Und das alles gelingt nur, wenn ich es schaffe eine gewisse KOMPLEXITÄT zu beherrschen…

Herausforderungen meistern

Als Angler habe ich natürlich meine „Hausgewässer“. Keine eigenen Seen oder Flüsse. Nein, die Gewässer in meiner näheren Umgebung, in denen ich jede Struktur und viele wichtige Details für einen erfolgreichen Angelausflug kenne. Dieses Wissen konnte ich mir aufbauen, da ich auf Grund der Nähe natürlich öfter dort hin fahre. Ich kann den Fangerfolg also ziemlich genau bestimmen. Auch wann es sich nicht lohnt los zu ziehen.

Diese Routinen begegnen mir natürlich auch im Berufsalltag. Eine bestimmte fachliche Expertise bietet die nötige Sicherheit Arbeitsaufträge zu erfüllen, Ziele zu erreichen oder einfach effizienter zu arbeiten. Je besser man sich auskennt, umso deutlicher erkennt man Mittel und Methoden, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

Seit einigen Jahren habe ich mich nun darauf verlegt, neue, unbekannte Gewässer zu erkunden. Das bedeutet für mich in erster Linie auch mehr Aufwand zu betreiben als bisher. Ich scheue mich auch nicht davor weiter entfernte, größere Seen anzufahren oder gar an die Ostsee zu reisen. Der Angler spricht da gerne von den „Wasserwüsten“. Große, unüberschaubare Gewässer, auf denen man sich im ersten Augenblick ziemlich verloren vorkommt. Etwas zu fangen scheint aussichtslos.

Diese Situation ist vergleichbar mit der Idee ein neues Projekt anzugehen oder eine neue Aufgabe zu übernehmen. Quasi eine „Aufgabenwüste“. Vielleicht kennen Sie das auch. Unklare Aufträge und Ergebniserwartungen, enge Terminleisten und fehlende Ressourcen. Schnell „vergräbt“ man sich in die operative Arbeit und hofft, dass der Kelch an einem vorübergeht.

Warum ich beim Angeln über Management nachdenke

Ich habe solche Reisen auch lange vor mir her geschoben. Doch dann bin ich dazu übergegangen ganz spontan, ohne große Überlegungen ob der Zeitpunkt der Richtige ist, dorthin zu fahren. Was ich erlebe ist eine große Vorfreude die erst mal alle Zweifel über das was kommt vergessen lässt. Voll Adrenalin stehe ich dann am Ufer oder im Boot und lasse mich auf die neue Umgebung ein. Oft habe ich einen guten Freund im „Schlepptau“ der sich so ohne weiteres auch nicht an das Gewässer gewagt hätte. Aber gestärkt durch meine Lust, ließ er sich anstecken mitzukommen.

Gerade Führung hat meiner Ansicht nach eine vergleichbare Funktion. Sich dem Unbekannten zu stellen, einen gewissen Aufwand auf sich zu nehmen und seine Umgebung zum Mitmachen zu begeistern. Routinen können dabei helfen. Durch die Reflektion der Erfahrungen kann es gelingen, auch mit sich dynamisch verändernden Rahmenbedingungen besser umgehen zu können. Die ständige Auseinandersetzung mit den Entwicklungen von  Techniken oder Dienstleistungen, das Ausprobieren neuer Methoden , der Austausch mit anderen und irgendwie auch der Wettbewerb mit sich selbst, sind sicher auch damit verbundene Anforderungen an ein erfolgreiches Management.

bg-image-4Die Mischung macht es. Routinen nutzen um Veränderungen voranzubringen. Um Herausforderungen langfristig und mit einem hohen Maß an Zufriedenheit für das Ergebnis zu meistern, ist diese Reflektion des eigenen Verhaltens eine wichtige Eigenschaft von Menschen in Entscheider Funktionen. Auf das eigene Wissen vertrauen und der Austausch mit anderen können dabei helfen. Nicht nur zu warten sondern aktiv zu werden.

Wichtige Fragen auf diesem Weg sind:

  • Was hat mich in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen erfolgreich gemacht?
  • Wie bin ich dabei vorgegangen?
  • Was davon ist bewahrenswert, was sollte ich der neuen Situation entsprechend anpassen?
  • Was gilt es völlig neu zu gestalten und wer kann mich dabei unterstützen, wenn ich keine eigene Lösung dafür finde?

Heute habe ich immer ein gutes Gefühl, wenn ich wieder ein neues Gewässer erkunde. Ich nutze mein Wissen über das Verhalten der Fische, reflektiere Erlebnisse aus der Vergangenheit und schöpfe die Möglichkeiten meiner Ausrüstung aus, auch wenn sie nicht immer ganz passend sind. Dieses ständige Nachdenken hat mir deutlich gezeigt, welche Wirkungen mein Verhalten in bestimmten Situationen erzeugt. Das nutze ich gezielt. Beim Angeln und im Beruf. Setzte ich mich zu sehr unter Druck, fing ich keinen Fisch. War ein Konzept zu komplex, wurde es nicht angenommen. Heute reduziere ich vor jedem Ausflug meine Ausrüstung und konzentriere mich auf einige Köder. Meine Konzepte sind modular und lassen meinen Auftraggebern einen Entscheidungsrahmen, wie sie ihre Veränderung angehen möchten. So fange ich mehr Fische und erzeuge eine größere Zufriedenheit bei meinen Projektpartnern.

In Seminaren und Trainings werden eine Vielzahl von Modellen, Theorien und Instrumente vorgestellt und ausprobiert, die dabei helfen sollen, mit modernen Herausforderungen in Beruf und Persönlichkeitsentwicklung umgehen zu können. Allein, es bleibt eine simulierte Situation.

Es fehlt das Erleben von Wirkungen aus dem eigenen Handeln heraus. Ohne ein körperliches Empfinden und die Ansprache aller Sinne. In der Natur als „geschützten Raum“ gibt es die Möglichkeit einen Blick auf die Dinge die vor einem stehen zu werfen ohne abgelenkt zu werden. Es bietet sich damit echte Inspiration  für die Aufgaben, denen man sich danach wieder stellen wird. Ich lade Sie ein, auf einen Kurzausflug an bekannte oder unbekannte Gewässer.

Begleiten Sie mich beim Sammeln von Erlebnissen, von denen Sie vielleicht auch einen Teil in Ihre täglichen Aufgaben übertragen können. Wie, das können wir am Grill und bei einem Bier danach entwickeln…….

2 Kommentare zu “Warum ich beim Angeln über Management nachdenke…. [Teil 1]”

  • Hallo Holger, ich bin begeistert von deiner literarischen Ader. Ich stöberte gerade mal auf meiner Facebook-Seite (was ich nur ca. x monatlich mache) und habe gesehen, dass du etwas veröffentlich hast. Neugierig aus dem Gespräch unseres letzten Treffens, habe ich nun gleich mal geschaut. Und nun entdecke ich, dass du ja schon viel mehr geschrieben hast. Kompliment. Es hat mir Spaß gemacht, deinen Gedanken zu folgen. Liebe Grüße Petra

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